Solidarische Landwirtschaft vor den Toren Dresdens

By Birgit Solidarische Landwirtschaft – Hinter den Kulissen
In letzter Zeit haben wir bereits einige interessante Vermarktungskonzepte für Bio- und regionale Lebensmittel z. B. Die Marktschwärmer vorgestellt. Heute wollen wir hinter die Kulissen der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) vom Schellehof nahe Dresden schauen, um das Konzept verstehen zu lernen. Deshalb sind wir unterwegs nach Struppen zum Tag der offenen Tür im Schellehof. Wir fahren Richtung Sächsische Schweiz, schlängeln uns in Pirna die Serpentinen empor, genießen anschließend den weiten Blick über die Landschaft Richtung Lilienstein und Königstein bevor es wieder hinab ins Tal nach Struppen geht.
Der Schellehof will nicht so leicht gefunden werden, er liegt etwas versteckt, erst nach einigem Suchen kommen wir am richtigen Ort an. Wir sind nicht allein, zur Führung sind ungefähr 20 Leute angereist, die ebenfalls hinter die Kulissen vom Schellehof schauen wollen. Wie eine Entschuldigung klingt einer der ersten Sätze einer Mitarbeiterin: “Im Moment ist Sauregurkenzeit.“ Das bedeutet, die Vorratslager sind langsam leergeräumt, die Wintergemüse abgeerntet und die neue Saat fängt auf den Feldern oder geschützt unter Folienzelten gerade an zu sprießen.
Solidarische Landwirtschaft – Was ist das?
Im Jahr 2009 stand die Hofnachfolge an und damit verbunden die Frage: „Wie soll es mit dem alten Dreiseithof in Struppen weitergehen?“ Die jungen Eigentümer hatten sich vorgenommen, auf dem Hof eine verantwortungsvolle, gesunde und enkeltaugliche Landwirtschaft im Einklang von Mensch und Natur zu betreiben. Sie begannen den Hof Stück für Stück auf ökologische Landwirtschaft umzustellen und suchten nach einem geeigneten Vermarktungskonzept für ihre Bio-Produkte in der Region.
Immer mehr Menschen, insbesondere junge Familien, wollen wieder genauer wissen wo ihre Lebensmittel herkommen. Somit ist es nur folgerichtig, dass der Landwirt wieder direkt mit dem Endverbraucher in Kontakt kommt. Z. B. nach dem Konzept der solidarischen Landwirtschaft, bei dem die Gemeinschaft der Verbraucher mit ihren Beitragszahlungen eine Vorfinanzierung übernimmt und damit für Planungssicherheit beim Landwirt sorgt.
Der Landwirt legt gemeinsam mit den Verbrauchern, auch Ernteteilende genannt, im Vorfeld fest, was in welchen Mengen angebaut wird beziehungsweise welche Tiere gehalten werden sollen. Die Mitglieder der Gemeinschaft wissen was in der nächsten Saison auf dem Speiseplan steht, welche Qualität ihre Lebensmittel haben und genau woher sie kommen.
Eine solidarische Landwirtschaft setzt auf gegenseitiges Vertrauen. Sie ermöglicht dem Landwirt mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit, weil die Vermarktung seiner Produkte bereits gesichert ist. Das funktioniert natürlich nur wenn die Qualität stimmt und die Anzahl der Mitglieder der Gemeinschaft ausreichend groß ist.
Aktuell bewirtschaftet der Schellehof über 70 Hektar, beschäftigt 6 Mitarbeiter und mehr lesen
Source: Livona